Anzeige schalten

Land in Sicht

Von Vera Kraft (dpa)
Datum: 08.04.23
Mehr Ruhe und Raum, auch für die Familie: Das suchen viele auf dem Land. Foto: Maya Claussen (dpa)
Mehr Ruhe und Raum, auch für die Familie: Das suchen viele auf dem Land. Foto: Maya Claussen (dpa)

Für mehr Lebensqualität zieht so mancher von der Stadt aufs Land. Doch es hapert dort mitunter an der Infrastruktur, und so können etwa gutes Internet und Kinderbetreuung Hürden sein.

Laut, eng und überteuert – insbesondere in der Pandemiezeit hat für einige das Stadtleben seinen Zauber verloren. Das Leben auf dem Land erschien auf einmal viel verlockender: ein eigenes Haus im Grünen oder doch zumindest eine größere Wohnung, mehr Ruhe und mehr Natur. Nicht wenige haben tatsächlich ihre Sachen gepackt und den Umzug aufs Land gewagt. Beispielsweise ist im Umland von Berlin und Hamburg die Nachfrage nach Einfamilienhäusern zum Kauf zwischen Januar 2020 und Januar 2022 deutlich stärker gestiegen als in den Städten selbst, wie eine Datenanalyse der Immobilien-Plattform „ImmoScout24“ ergab. Der Trend- und Zukunftsforscher Tristan Horx findet das nicht verwunderlich. Denn in vielen Zukunftsszenarien stehe zwar das Leben in der Stadt oder in sogenannten Mega-Citys im Vordergrund. Er geht jedoch davon aus, dass sich dieser stetige Zuwachs und der Fokus auf die Städte etwas ausbremsen werden.

„Das größte Argument für Städte war bislang die Arbeit“, sagt Horx. Da man aber mittlerweile immer ortsunabhängiger arbeiten könne, biete dieser Umstand ein großes Potenzial für das Leben in der Provinz. Und in puncto Wohnqualität stehen für viele Ruhe, Natur, ein sauberes Umfeld und günstige Preise an erster Stelle. Die besseren Einkaufsmöglichkeiten würden in Umfragen häufig erst danach genannt werden, sagt der Zukunftsforscher. 

Das Leben auf dem Land – Chance und Herausforderung

Doch der Umzug ist nicht immer leicht. Gutes Internet wird etwa zur Grundvoraussetzung für ortsunabhängiges Arbeiten. Je nachdem, wohin man zieht, ist das allerdings keineswegs garantiert, sagt Urs Mansmann, Technikredakteur bei „heise.de“. Sein Rat: Onlineverträge verschiedener Anbieter auswählen und schauen, ob sie am neuen Wohnort verfügbar wären. Außerdem lohne es sich, bei Lokal- und Regionalanbietern nachzufragen, wie es um den Breitbandnetzausbau in dem Dorf steht. Für Regionen, in denen es kein gutes DSL oder Kabel-Internet gibt, könnte Internet über LTE oder Satellitenverbindung eine Option sein, sagt Mansmann. LTE sei aber teuer, habe nur begrenzte Ressourcen und auch die Satellitenverbindung sei wegen hoher Kosten und hohem Energieverbrauch eher „ein letzter Notnagel“.

Vorabplanung: Gibt es Kinderbetreuung?

Für Familien spielt bei der Suche nach einem passenden Wohnort auf dem Land auch die Kinderbetreuung eine entscheidende Rolle. Da die Regelungen zur Platzvergabe oft von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sind, ist auch hier die Recherche vorab ein Muss. Am besten wenden Eltern sich direkt an die Gemeinde oder die Kindertageseinrichtungen vor Ort, wie verschiedene Jugendämter auf Anfrage empfehlen.

Wie gut die Chancen auf einen Betreuungsplatz sind, hängt auch vom Zeitpunkt des Umzugs ab. In manchen  Landkreisen heißt es, die besten Chancen auf eine erfolgreiche Platzvergabe gebe es zum Wechsel eines Schul- und Kita-Jahres im August. Auch das Kreisjugendamt Rosenheim gibt an, eine Aufnahme innerhalb des Schuljahrs sei meist nur möglich, wenn andere Kinder unter dem Jahr die Einrichtung verlassen. Sobald der neue Wohnort feststeht, sollten Eltern daher mit der Suche nach einem Betreuungsplatz fürs Kind beginnen, empfiehlt Sabine Stelzmann, Leiterin des Kreisjugendamts Rosenheim.

Ankommen im Dorf

Sind alle organisatorischen Hürden gemeistert, kann das Landleben  losgehen. Dazu gehört  auch, sich in die Dorfgemeinschaft zu integrieren. „Gerade auf dem Land gibt es viele bestehende Strukturen wie die Freiwillige Feuerwehr“, so Ina Remmers vom Nachbarschaftsportal „nebenan.de“. Darüber kann es einfach sein, Kontakte zu knüpfen – und das nicht nur, indem man sich einem Verein oder einer Gruppe anschließt. Man kann auch einfach mal bei einer Veranstaltung dieser Organisationen vorbeischauen – meist ist so ein Feuerwehrfest ohnehin ein Fest fürs ganze Dorf oder den halben Landkreis. Zufällige Bekanntschaften, etwa weil man sich jeden Morgen  beim Dorfbäcker trifft, gibt es teilweise nur noch selten, sagt Nachbarschaftsexpertin Remmers. Denn vielerorts existiere schlicht die Infrastruktur nicht mehr. Es lohne sich daher, proaktiv auf andere zuzugehen und öfters ehrliches Interesse, ein Lächeln und Hilfsbereitschaft zu zeigen.

Ratgeber

Wer untervermieten möchte, braucht eine Genehmigung vom Vermieter. Foto: Christin Klose (dpa)
Schäden am Fußboden? Bei der Übergabe sollten diese unbedingt dokumentiert werden. Foto: Christin Klose (dpa)
Wie lange die Mietwohnung besichtigt werden darf, kommt auf den Einzelfall an. Foto: Christin Klose (dpa)
loder image